Antileiharbeits- Initiative Düsseldorf

Hier treffen sich Leiharbeiter jeden 2.-ten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr.

Ort : Solaris53 e.V., Kopernikusstr. 53, 40225 Düsseldorf

 

Im Rahmen der Agenda 2010, in dem die rot-grüne Regierungskoalition sich das Ziel setzte, die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen wurde die sogenannte Hartzkommission gebildet. Da schon vorab der allgemeine Konsens bestand, die Zumutbarkeitskriterien zur Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses drastisch zu reduzieren und die Initiatoren befürchteten durch diese Maßnahmen auf den Widerstand der Gewerkschaften zu stoßen, wurden deren Vertreter daher mit in diese Kommission integriert. Wie zu erwarten wurde ein neues Beschäftigungsmodell entwickelt, bei dem bis dato keine Klientel der in der Kommission vertretenen Lobbyisten nachteilhafte Veränderungen durch die neuen Regelungen am Arbeitsmarkt hinzunehmen hatten. Unter dem Deckmantel, die Arbeitsvermittlung sei nur dann effektiv, wenn auch hier private Anreize bestünden, wurden alle die Arbeitnehmer schützenden und in den ersten Arbeitsmarkt integrierenden Aspekte aus dem AÜG entfernt und dem modernen Menschenhandel namens Arbeitnehmerüberlassung Tür und Tor geöffnet. Eine Branche, die bis dahin am Rande der Illegalität lediglich geduldet war, wurde und wird fortan von Politikern aller Coleur hoffiert. Beschönigend ausgedrückt hieß es damals, der Wirschaftsminister Clement hole die Branche aus ihrer Schmuddelecke. Aber nicht genug der Tatsache, daß der profitgierigste und verantwortungsscheueste Verleiherdreck hierzulande per Gesetz angewiesen wurde mit behördlicher Hilfe und fadenscheinigen Methoden das letzte aus denen zu quetschen, die sich am wenigsten wehren können, ist es auch bemerkenswert, daß gerade die DGB-Gewerkschaften ebenso macht- und profitgierig genau die sozialen Standarts, die sie für ihre zahlungskräftigen Mitglieder erkämpft haben per Tariföffnungsklausel für uns Leiharbeiter außer Kraft setzen. Da versteht es sich fast von selbst, daß im Anschluß hieran bei den soeben prekarisierten Leiharbeitern kräftig um Mitglieder geworben wird und zwar so plakativ vereinfachend und dumm, wie wir Leiharbeiter es offensichtlich für sie sind.

 

Die Antileiharbeits-Initiative schließt sich dem Kieler Leihkeulen-Projekt an in dem Übereinkommen, daß es neben einer eigenen Zeitung auch notwendig ist, eigene Widerstandsformen gegen unsere Benachteiligung zu entwickeln. Durch ihre aktive Mitarbeit an der Agenda 2010 haben die Gewerkschaften ihr vorangiges Ziel, rapide Verschlechterung des Betriebsklimas und gespaltene Belegschaften in nahezu allen Firmen erreicht. Aber diese Seite hier soll nicht dazu dienen, den dadurch aufgestauten Frust wie bei Zoom oder Chefduzen abzujammern. Hier wird der Versuch unternommen, unseren Emanzipierungsprozess in Gang zu setzen. Dazu halten wir es zunächst für wichtig, in immer mehr Orten regelmäßige Treffen zu organisieren. Diese Treffen sollten neben individueller arbeitsrechtlicher Beratung auch dazu dienen, unseren Kollegen Grundkenntnisse gewerkschaftlicher und tarifrechtlicher Zusammenhänge zu vermitteln oder diese von ihnen zu erlernen. In einem weiteren Schritt müssen wir versuchen, zu gemeinsamen Handlungskonzepten zu kommen und wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, hier schnelle Erfolge zu erzielen. Die Arbeit die vor uns liegt wird mehrere Jahre andauern und wir müssen systematisch versuchen, die Kollegen der einzelnen Niederlassungen miteinander bekannt zu machen um effektiv Betriebsräte gründen zu können. Ebenso besteht die Möglichkeit, unsere rechtliche Situation überhaupt in Frage zu stellen und dies mittels Petitionen und Unterschriftenaktionen in eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit umsetzen. Das Medium Internet macht zwar einen weitaus schnelleren Informationsaustausch möglich, es birgt aber auch die Gefahr, Frustrationen zu absorbieren, die früher eher in aktiven Protest umgesetzt wurden. Denn Protest gehört nicht ins Internet, sondern in die Betriebe, auf die Straße und in unserem Fall auch in die Leiharbeitsmessen.