Willkommen auf dem Blog vom Friedensforum Düsseldorf

Bundeswehr

06.06.2019 15:32 Friedensforum Düsseldorf

Zyniker des Tages

Aus: junge Welt, Ausgabe vom 06.06.2019, Seite 8 / Ansichten
 
Von Claudia Wangerin
Von_der_Leyen_besuch_61395261.jpg
Wer wollte das nicht tragen: Ein Soldat der Spezialkräfte des ABC Abwehrbataillon 750 der Bundeswehr mit Gasmaske (Bruchsal, 22.5.2019)

Im Zusammenhang mit deutschen Soldaten ist »Gas« ein Reizwort. In letzter Zeit wurde allerdings nur »Schurkenstaaten« unterstellt, es als chemische Waffe einzusetzen. Die Beweislage war, wenn es um Syrien ging, so zweifelhaft wie nebensächlich – die Unschuldsvermutung galt hier von westlicher Seite eher für islamistische »moderate Rebellen« als für die Regierungstruppen. Es folgten Sanktionen und Kriegsdrohungen.

Ein unverkrampftes Verhältnis zum G-Wort hat dafür neuerdings die Bundeswehr. Durch Plakate mit dem Wortspiel »Gas, Wasser, Schiessen. Mach, was wirklich zählt« versucht sie »Handwerker (m/w/d)« anzuwerben.

Geschichtsvergessenheit oder Zynismus? Im Ersten Weltkrieg starben rund 91.000 Menschen durch Giftgas – bei mehr als einer Million Verletzten war die Lebenserwartung zum Teil erheblich verkürzt. Eingesetzt wurde es zuerst von der kaiserlich deutschen Armee im April 1915 in Belgien. In den Schützengräben gab es damals noch keine Kanarienvögel, die später dort eingesetzt wurden, da sie empfindlich auf Veränderungen der Luft reagieren und den Soldaten durch lautes Zwitschern die Chance gaben, Gasmasken überzustreifen. Von deren Lungen blieb sonst nicht viel übrig. Allein der erste Gasangriff beim belgischen Ypern forderte rund 1.200 Menschenleben. Die Nazis trieben später gleich völlig Wehrlose in die Gaskammern von Auschwitz

»Dem Verteidigungsministerium, der Bundeswehr und ihrer Werbeagentur Castenow (die übrigens auch Borussia Dortmund, Super RTL, die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., das Bistum Münster und Rewe als Kunden hat) scheint das egal zu sein«, kommentierte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) am Dienstag abend via Facebook.

Fazit: Eine deutsche Armee, die in einer Werbekampagne mit dem G-Wort spielt, hat bis heute den Schuss nicht gehört.

Zurück