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Die Russland-Fanfare

06.12.2018 09:16 Friedensforum Düsseldorf

Die Tagesschau und ihr Russlandfeldzug

Autor: U. Gellermann

Datum: 05. Dezember 2018

Als Russland-Fanfare wurde das Instrumental—Signal bezeichnet, das im Zweiten Weltkrieg seit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 die Sondermeldungen des Oberkommandos der Wehrmacht im deutschen Radio einleitete. Mit Bedacht zitiert Uli Gellermann in seinem neuesten Video-Beitrag zur MACHT UM ACHT genau dieses Fanfaren-Signal. Denn folgt man der Berichterstattung der deutschen Medien nach dem jüngsten Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, dann befindet sich der Westen und mit ihm auch Deutschland in einer Vorkriegszeit-Situation. Eine publizistische Lage, in der die Propaganda den Journalismus verdrängt. Und an der Spitze dieser Verdrängung ist mal wieder die „Tagesschau“ zu beobachten.

Schonungslos deckt Gellermann auf, wen die „Tagesschau“ als sogenannte Expertin zum neuen Krim-Konflikt zitiert. Die Redaktion führt ihr Interview mit Sabine Fischer: Die leitet die Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien in der „Stiftung Wissenschaft und Politik.“ Präsident des Stiftungsrats der SWP ist Nikolaus von Bomhard, bis 2017 Vorsitzender des Vorstands der Munich Re (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft). Der größte Einzelaktionär der Munich Re ist der US-Finanz-Gigant BlackRock. Einer der Stellvertretenden Präsidenten ist der Bundesminister Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes. Also muss Gellermann feststellen, dass die Tagesschau sich ihre Ukraine-Russland-Analyse von der Bundesregierung und den ihr nahestehenden Finanzspekulanten machen lässt. Solche "Analysten" dienen ihren politischen und wirtschaftlichen Interessen und keineswegs dem Bedürfnis der Zuschauer nach sachlicher Information.

Mit einer weiteren Meldung der "Tagesschau" – zur "Chronik der Krimkrise - Die Wurzel des Schwarzmeer-Konflikts" – bemerkt Gellermann eine beachtliche Nachrichten-Fälschung der Redaktion durch Weglassen: Unerwähnt bleibt die Ausdehnung der NATO-Grenzen bis kurz vor Moskau. Verschwunden ist der Versuch, die Ukraine auch militärisch in die EU einzugliedern. Als Ersatz für die historische Wahrheit eine Tagesschau-Weisheit: Russland habe die Krim-Halbinsel unter seine Kontrolle gebracht und verleibte sie sich schließlich endgültig ein. Kein Wort dazu, dass die Krim nur in einer Wodka-Laune von Nikita Chruschtschow zur Ukraine verschoben wurde. Kein Satz über die Unterdrückung der russischen Sprache, die immerhin von einer erheblichen Minderheit in der Ukraine gesprochen wurde und wird. Keine Erinnerung an die Wiederbelebung des faschistischen Bandera-Kultes in der alten sowjetischen Teilrepublik.

Doch damit nicht genug verbreitet die Tagesschau auch noch diesen Satz: "Die NATO greift militärisch zwar in den Konflikt nicht direkt ein - die Ukraine ist schließlich kein Mitgliedsstaat - verordnet sich selbst aber einen radikalen Kurswechsel: weg von der Konzentration auf überschaubar erfolgreiche Auslandseinsätze wie dem in Afghanistan und hin zur Verteidigung des eigenen Bündnisgebiets.“ Der Journalist Gellermann fragt entsetzt, seit wann denn die Krim oder die Ukraine zum NATO-Gebiet gehören. Und er schließt aus der Erwähnung des Afghanistan-Kriegseinsatzes folgerichtig, dass die ARD-Redaktion einen möglichen neuen Krieg anvisiert.

In seinem Schluss-Satz weist der Tagesschau-Kritiker darauf hin, dass auch und gerade der Wechsel vom Journalismus zur Propaganda ein klassisches Signal für eine Vorkriegszeit-Situation ist: Denn wer den möglichen Kriegsgegner diffamiert, macht ihn zu einem "bösen" Feind, schafft also vorbeugend Kriegsgründe. Gellermann warnt: Es sei schon einmal für Deutschland schlecht ausgegangen, als sich das Nazi-Reich mit der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg angelegt habe. Auf beiden Seite habe es Millionen Tote gekostet. Diesmal könnte die Schwelle zum Atomkrieg überschritten werden. Ein Krieg, bei dem es nur Besiegte geben würde.

Der Journalist und Filmemacher Uli Gellermann beschäftigt sich seit Jahren mit der Dauermanipulation der Tagesschau.

Gemeinsam mit den Co-Autoren, Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, schrieb er das Buch „Die Macht um Acht: der Faktor Tagesschau“. Eine herausragende Lektüre über die tägliche Nachrichtensendung der ARD.

Bei KenFM nimmt er mit dem gleichnamigen Format die subtile Gehirnwäsche der Tagesschau alle zwei Wochen unter die Lupe.

Hier geht es zum Video:
https://kenfm.de/


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 06. Dezember 2018 schrieb Heidi Schmid:

Danke Uli, bleib weiter stark !


Am 06. Dezember 2018 schrieb Ronald Wolf:

Die Stimme der Vernunft. Ich befürchte aber, dass die Staatsjournalisten von ARD und ZDF diese Stimme nicht hören oder nicht hören wollen. Das ist sehr schade. Wie gefährlich dieser Propagandafeldzug ist wird logisch und drastisch von Uli erklärt. Er hat verdammt Recht und die Gefahr einer Eskalation ist groß. Die NATO ist ohne diplomatisches Gespür und ohne Verantwortungsbewusstsein immer mehr gen Osten gezogen, immer mehr auf Russland zu - entgegen der Zusagen an Gorbatschow. Drastisch gesagt, die Russen wurden ?verarscht?. Verwunderlich das die Politik von Putin so sachlich geblieben ist. Aber er hat das was Trump und Stoltenberg nicht haben : Übersicht und Verantwortungsgefühl. Wie lange noch ? Die NATO ätzt schon wieder und provoziert ohne Ende. Die ?Macht um 8? ist in die Kriegsvorbereitungen eingebettet und es gruselt mich die Parallelen zur NS-Zeit zu sehen. Die Russlandfanfare hat zu Ulis Ausführungen gut gepasst. Haben die Journalisten im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst ?


Am 06. Dezember 2018 schrieb Christian Harde:

Lieber Herr Gellermann,

vielen Dank für diese klare Analyse in der Rußland-Fanfare! Wieder einmal voll ins Schwarze!

Zwei, drei kleine, vielleicht nicht uninteressante Ergänzungen:
1. Wir wissen zwar nicht genau, was, wo und zu welcher Zeit vor der Straße von Kertsch im Schwarzen Meer passiert ist. Aber was die Westmedien fast einhellig behaupten oder nahelegen, nämlich daß es einen militärischen Angriff der russischen Marine auf zwei Boote und einen Schlepper der ukrainischen Marine gegeben habe, das stimmt schon rein formal nicht. Denn auf russischer Seite war die Küstenwache beteiligt, nicht die Marine. Die russische Küstenwache ist Teil des FSB, und der untersteht dem Innenministerium der Russischen/Rußländischen Föderation, nicht dem Verteidigungsministerium.
2. Die nun in Kertsch festgesetzten ukrainischen Patrouillenboote des Typs "Hjurza" (https://de.wikipedia.org/wiki/Gjursa-Klasse) haben auf dem Vorschiff und achtern fest installierte automatische Waffen. Die Boote werden in Kiew auf der Traditionswerft "Lenins'ka kuznja" ("Lenin-Schmiede", jetzt im antikommunistisch-antirussischen Furor der Euromajdan-Ukraine umbenannt, 'entkommunisiert': Kuznja na Rybal'skomu, https://en.wikipedia.org/wiki/Kuznya_na_Rybalskomu) gebaut, die dem nebenberuflichen (?) Rüstungsunternehmer-Oligarchen-Präsidenten Poroschenko -- zumindest bis Ende 2017 -- unmittelbar gehört(e) (https://uk.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D1%83%D0%B7%D0%BD%D1%8F_%D0%BD%D0%B0_%D0%A0%D0%B8%D0%B1%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%81%D1%8C%D0%BA%D0%BE%D0%BC%D1%83, auch: https://de.sputniknews.com/politik/20180912322294175-ukraine-truppen-meer-schiffsgruppierung-schnellboote/). -- Soweit selbst Wikipedia.

Die nun wirklich nicht der Russophilie verdächtige Jamestown Foundation hat bereits Mitte Oktober 2018 über das strategische Ziel der Ukraine geschrieben, das Abkommen von 2003 mit Rußland über die gemeinsame Kontrolle des Asowschen Meeres als Binnenmeer der beiden Staaten zu beenden und es stattdessen zu internationalisieren, d.h. perspektivisch den USA und der NATO zu öffnen (https://jamestown.org/program/ukraines-strategic-aims-in-the-sea-of-azov/). In diesem Zusammenhang ist auch die Verlegung der Patrouillenboote im Spätsommer in Asowsche Meer zu sehen. Die Provokation wurde in aller Öffentlichkeit und absehbar von Kiew vorbereitet. Und man kann wohl davon ausgehen, daß in Kiew nichts passiert, was nicht mit den Sponsoren in Washington und Berlin/Brüssel koordiniert ist, allein schon wegen der Abhängigkeiten vom IWF und der glorreichen EU-Assoziierung seit 2014.
3. Die Gebiete in der Ukraine, in denen das Kriegsrecht verhängt wurde, sind die überwiegend russischsprachigen Regionen des Landes im Osten und im Süden entlang der Schwarzmeerküste, inkl. Odessa (s. Massaker im Gewerkschaftshaus, Mai 2014). Dort steht man dem ukrainischen Nationalismus und dem faschistoiden Poroschenko-Regime eher kritisch gegenüber. Dort hat auch der "Oppositionsblock" seine Basis, hervorgegangen aus der früheren "Partei der Regionen" des 2014 weggeputschten Präsidenten Janukowitsch. Was das für die 'Wahlkampf'-Möglichkeiten der Opposition bedeutet, liegt auf der Hand.
Vgl. auch: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7796/ und https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7801/


Am 05. Dezember 2018 schrieb Henning Pohlmann:

Ein Super-Video! Hoffentlich wird die Warnung gesehen und Begriffen.


Am 05. Dezember 2018 schrieb Svea Bergmann:

Lieber Herr Gellermann,
das Video geht unter die Haut! Großartig, danke.

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