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Friedensnobelpreis

06.12.2018 15:44 Friedensforum Düsseldorf

Verleihung am 10. Dezember

Aus: Ausgabe vom 05.12.2018, Seite 14 / Feuilleton

Von Jörg Kronauer
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Zum illustren Kreis der Preisträger zählt neben dem Dalai Lama oder Michail Gorbatschow auch die Europäische Union – hier verkörpert durch den ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (10.12.2012)

Der Friedensnobelpreis wird jedes Jahr am 10. Dezember verliehen, dem Todestag seines 1896 im Alter von 63 Jahren verstorbenen Stifters und Namensgebers Alfred Nobel. Nobel, der sein Geld als Rüstungsindustrieller und Erfinder des Dynamits verdient hatte, hat einst die seltene Erfahrung gemacht, aus der Zeitung von seinem eigenen Tod zu erfahren: Ein solide recherchierender Redakteur hatte ihn mit seinem Bruder verwechselt und einen Nachruf auf ihn verfasst. Dass Nobel darin las, er sei reich geworden, weil er Mittel gefunden habe, »mehr Menschen schneller als je zuvor zu töten«, hat wohl einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen; jedenfalls legte er in seinem Testament fest, aus seinem Vermögen sollten künftig Preisgelder »an diejenigen ausgeteilt werden«, die jeweils »im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben«. Nobel wünschte sich fünf Preiskategorien, deren letzte »für Friedensverfechter« vorgesehen war, die »am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt« haben.

In den ersten Jahren ist der Friedensnobelpreis, den – anders als die anderen Nobelpreise – ein vom norwegischen Parlament eingesetztes fünfköpfiges Komitee in Oslo vergibt, immer wieder an Personen verliehen worden, auf die die Formulierung des Stifters zutrifft. 1905 bekam ihn Nobels langjährige Freundin Bertha von Suttner; vor und nach ihr wurden Funktionäre des International Peace Bureau ausgezeichnet; 1935 erhielt ihn Carl von Ossietzky. Allerdings wurde es bald üblich, Regierungsmitglieder zu ehren, um ihrer Politik einen Publicityschub zu verpassen. Bekannte Beispiele sind die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Gustav Stresemann und Aristide Briand, an die der Friedensnobelpreis des Jahres 1926 für den Abschluss der Verträge von Locarno ging. »Locarno« war umstritten, lag damals aber auf der Linie der mächtigeren Fraktionen des Kapitals; die Verträge mussten also gestützt werden, und da störte es denn auch niemanden, dass Preisträger Stresemann weiterhin für die – notfalls gewaltsame – Revision der Ostgrenzen Deutschlands eintrat.

jW in Gefahr

Der Friedensnobelpreis ist ein westlicher Preis. Personen aus dem Osten haben ihn nur bekommen, wenn sie gegen den Sozialismus kämpften (wie Lech Walesa) oder ihm ein Ende setzten (wie Michail Gorbatschow). Chinesen erhalten ihn nur, wenn sie (wie der Dalai Lama) einen Teil des chinesischen Staates abspalten oder doch wenigstens die Volksrepublik vollständig nach westlichen Vorbildern umbauen wollen (wie Liu Xiaobo). Der Friedensnobelpreis ist zudem ein Männerpreis; unter den 106 Personen, die ihn bisher erhalten haben, waren lediglich 17 Frauen. Nach zwei besonders peinlichen Preisverleihungen, derjenigen von 2009 an Barack Obama und derjenigen von 2012 an die Europäische Union, hat das Nobelpreiskomitee sich bemüht, Nichtwestler und Frauen stärker zu berücksichtigen. Zuletzt haben deshalb mehrere afrikanische Aktivistinnen und Aktivisten den Preis erhalten, die zwar nicht für Frieden im klassischen Sinn kämpfen, die aber in ihren Ländern zuweilen Vorbilder für eine aufklärerische Menschenrechts- und Bildungsarbeit sind.

Eine Organisation hat den Friedensnobelpreis sogar mehrmals erhalten: das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Es wurde 1963 zu seinem hundertsten Gründungstag ausgezeichnet. Außerdem wird es regelmäßig kurz vor dem Ende von Weltkriegen für seine diesbezügliche Aufräumarbeit geehrt. In diesem Kontext hat es den Preis bislang zweimal bekommen – 1917 und 1944.

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