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SIPRI-Bericht: Weniger Atomwaffen, alarmierender Modernisierungskurs

18.06.2019 18:20 Friedensforum Düsseldorf

Kein Grund zu Optimismus

Aus: junge Welt v. 18.06.2019
 
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SIPRI warnt vor weltweiter nuklearer Aufrüstung: Startvorrichtung für russische Marschflugkörper in Kubinka (23.1.2019)

Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI hat am Montag seinen mittlerweile 50. Jahresbericht zum Status quo der global vorhandenen Militärtechnologie vorgestellt. Vor allem die von den Atommächten angestrebte Modernisierung ihrer Nuklearwaffenarsenale sei trotz real sinkender Zahlen der Atomwaffen »ein negativer Trend«, wie der SIPRI-Atomwaffenexperte Shannon Kile der Deutschen Presseagentur sagte. Auch habe sich der Rückgang in den vergangenen Jahren entscheidend verlangsamt und sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die USA und Russland Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr benötigten. Gegenwärtig gebe es insgesamt 13.865 Atomwaffen gegenüber 14.465 im Jahr 2018.

»Wir sehen, dass Atomwaffen bei nationalen Sicherheits- und Militärstrategien wieder wichtiger werden«, so Kile weiter. Auch Indien mit gegenwärtig 130 bis 140, Pakistan mit 150 bis 160 und China mit 290 Atomsprengköpfen hätten ihre Arsenale in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut. Vor allem die verfeindeten Länder Indien und Pakistan weiteten ihre Atombrennstoffproduktion aus. Aus Israel, das laut Schätzungen von SIPRI über 80 bis 90 Nu­klearsprengköpfe verfügt, gab es weiterhin keine offizielle Stellungnahme zum eigenen Atomwaffenprogramm. Zudem gebe es keine Beweise dafür, dass Nordkorea eine funktionsfähige Kernwaffe besitzt. 3.750 der aktuell 10.115 Nuklearsprengköpfe gelten laut dem Bericht als sofort einsatzbereit und befinden sich in den Händen der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs.

Nachdem Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) vorige Woche bei einem Treffen mit Ministern 15 anderer Länder ohne Atomwaffen bemängelt hatte, dass Abrüstung auf der politischen Agenda fehle, erinnerte Greenpeace daran, »dass auch in Deutschland Atomwaffen liegen, die modernisiert werden sollen und im Krisenfall von deutschen Piloten und deutschen Flugzeugen in ihre Ziele gebracht werden sollen«. Die abrüstungspolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Sevim Dagdelen, forderte am Montag: »Abwarten und zuschauen gilt nicht, die Bundesregierung muss von Präsident Donald Trump den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland fordern und endlich den UN-Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen.« (dpa/AFP/jW)

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